Ein Pflegetagebuch ist eines der wichtigsten Hilfsmittel, wenn es darum geht, den tatsächlichen Pflegebedarf im Alltag sichtbar zu machen. Insbesondere bei einer anstehenden Pflegebegutachtung bei Erstantrag, Höherstufung und Widerspruch des Pflegegrads, kann ein Pflegetagebuch die entscheidenden Belege liefern.
In diesem Beitrag erfahren Sie:
- was ein Pflegetagebuch ist
- wann es sinnvoll ist, ein Pflegetagebuch zu führen
- welche Inhalte dokumentiert werden müssen
- wie Sie unsere Pflegetagebuch Vorlage richtig nutzen
Das Wichtigste in Kürze
Bei der Einstufung in einen Pflegegrad spielt insbesondere der Grad der Selbstständigkeit eine Rolle. Da der Gutachter vom Medizinischen Dienst aber nur einen Ausschnitt eines willkürlichen Tages mitbekommt, ist es ohne weitere Dokumentationen schwierig, ein faires Urteil zu treffen.
Ein Pflegetagebuch wirkt dem entgegen, da der tatsächliche Pflegeaufwand schriftlich dokumentiert wird. So ist es für außenstehende Personen leichter den Pflegebedarf nachzuvollziehen und eine akkurate Einschätzung der Selbstständigkeit der pflegebedürftigen Person vorzunehmen.
Abseits offizieller Antrage kann ein Pflegetagebuch auch Angehörigen dabei helfen Einschränkungen sichtbar zu machen, gesundheitliche Verschlechterungen schneller zu merken und die Pflege besser zu organisieren.
Wann ist ein Pflegetagebuch sinnvoll?
Das Führen eines Pflegetagebuchs ist insbesondere zu folgenden Zwecken sinnvoll:
Pflegegrad Antrag
Wenn Sie erstmals einen Pflegegrad beantragen, hilft das Pflegetagebuch dabei den tatsächlichen Unterstützungsbedarf sichtbar zu machen und eine faire Einordnung zu erhalten.
Pflegegrad Widerspruch
Bei einem Widerspruch gegen den Pflegegrad Bescheid kann das Pflegetagebuch belegen, dass der Pflegebedarf höher ist, als zunächst angenommen wurde.
Pflegegrad Höherstufung
Wenn Sie den Pflegegrad höherstufen wollen, macht das Pflegetagebuch die Verschlechterung des Zustandes und den erhöhten Pflegebedarf erkennbar.
Überblick & Organisation der Pflege
Ein Pflegetagebuch hilft Angehörigen dabei einen Überblick über die benötigten Hilfestellungen zu bekommen und so die Pflege besser zu organisieren.
Wie lange sollte ein Pflegetagebuch geführt werden?
Das Pflegetagebuch sollte mindestens 7-14 Tage geführt werden, um eine gute Übersicht über den tatsächlichen Pflegebedarf und eine geeignete Grundlage für die Begutachtung durch den medizinischen Dienst zu liefern.
Welche Inhalt gehören in ein Pflegetagebuch?
Ein Pflegetagebuch sollte alle relevanten Lebensbereiche der pflegebedürftigen Person umfassen, die auch bei der Pflegebegutachtung bewertet werden:
Mobilität
dazu zählt bspw. Aufstehen und Hinsetzen, Fortbewegung in der Wohnung, Treppensteigen
Selbstversorgung
dazu zählt die gesamte Körperpflege (Waschen, Duschen, Zahnpflege, Darm- und Blasenentleerung etc.), Ernährung, An- und Auskleiden
Kognitive & kommunikative Fähigkeiten
dazu zählt Orientierung, Gedächtnis, Gesprächsführung, Entscheidungen treffen
Umgang mit Krankheiten
das betrifft die Medikamentendosierung und -einnahme, das Wahrnehmen von Arztbesuchen, die Umsetzung von Thearpiemaßnahmen
Verhaltensweisen & psychische Problemlagen
dazu zählt auffälliges Verhalten jeder Art (Herumirren, nächtliche Unruhe,. Aggressionen, Ängste, Wahnvorstellungen etc.)
Alltagsgestaltung
dazu zählt die Tagesstruktur, das eigenständige Pflegen sozialer Kontakte, Freizeitbeschäftigungen, der Schlafrhythmus
Haushaltsführung
dazu zählt Einkaufen, Wäsche waschen, Wohnungsputz, Kochen
Wichtig ist, dass dabei jeweils Datum, Dauer und die konkrete pflegerische, betreuerische oder unterstützende Maßnahme benannt wird. Gibt es Faktoren die die Pflege erschweren, wie beispielsweise ein Körpergewicht über 80kg, Aufgaben die nur von zwei Personen ausgeführt werden können, räumliche Gegebenheiten die die Pflege erschweren oder körperliche Einschränkungen der Beweglichkeit, Sinne oder bei Schluck und Atemstörungen, sollte dies ebenfalls dokumentiert werden.
Wer kann beim Ausfüllen unterstützen?
Das Pflegetagebuch sollte idealerweise von den Personen geführt werden, die die betroffene Person pflegen und bei der Begutachtung durch den Medizinischen Dienst anwesend sind. Grundsätzlich besteht aber auch die Möglichkeit, dass die pflegebedürftige Person das Tagebuch selbst führt, wenn sie sich dazu in der Lage fühlt,.
Wird Hilfe beim Ausfüllen benötigt, können Pflegekassen, Pflegestützpunkte oder auch Pflegepersonal (sollte bereits ein Pflegedienst beschäftigt werden) um Rat gefragt werden.
Typische Fehler
Die häufigsten Fehler bei einem Pflegetagebuch sind:
- eine zu kurze Dokumentationsperiode
- zu ungenaue oder allgemeine Angaben
- fehlende Zeitangaben
- das Vergessen wichtiger Tätigkeiten wie bspw. der Betreuung
- das Nichteinbeziehen der Angehörigen
6 Tipps zum Führen Ihres Pflegetagebuchs
1. Mehrere Tage dokumentieren
Im Alltag eines Pflegebedürftigen ist kein Tag wie ein anderer. Dokumentieren Sie mindestens 7-14 Tage, um einen realistischen Eindruck vermitteln zu können.
2. Detaillierte Beschreibungen statt allgemeiner Aussagen
Machen Sie keine allgemeinen Aussagen wie "benötigt Hilfe bei der Körperpflege", sondern gehen Sie konkret auf die Tätigkeit ein "benötigt morgens vollständige Hilfe beim Waschen und Duschen".
3. Zeit messen
Achten Sie genau darauf, wie oft Hilfe benötigt wird und wie lange die einzelnen Tätigkeiten dauern. Idealerweise verwenden Sie eine Stoppuhr oder App, um realistische Angaben machen zu können.
4. Nächte nicht vergessen
Auch nächtliche Unterstützungsleistungen wie Hilfe beim Toilettengang, Umlagern oder Begleitung bei Unruhe sind wichtig für die Begutachtung des Aufwands.
5. Ehrlich und realistisch sein
Viele Pflegebedürftige und Ihre Angehörigen neigen dazu die Einschränkungen entweder herunterzuspielen oder zu übertreiben. Seien Sie ehrlich und sachlich, um den korrekten Pflegegrad zu erhalten.
6. Regelmäßig ausfüllen
Notieren Sie die Daten am besten direkt nach der Pflegehandlung, damit nichts vergessen wird.
Pflegetagebuch Vorlage
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Weitere InformationenSo nutzen Sie die Pflegetagebuch Vorlage richtig!
Die Pflegetagebuch Vorlage von SHS ist in drei Abschnitte aufgeteilt. Zunächst geben Sie allgemeine Information zur pflegebedürftigen Person und den pflegenden Angehörigen an. Danach findet, orientiert an den Bereichen, die in der Begutachtung durch den Medizinischen Dienst abgefragt werden, eine Einschätzung der Fähigkeiten des Pflegebedürftigen statt. Der dritte Abschnitt ist die tägliche Dokumentation des Pflegebedarfs. Hier wird 7-14 Tage lang notiert, bei welchen Aufgaben des Alltags die Pflegebedürftige Person Unterstützung benötigt, in welcher Form die Hilfeleistung ausgeübt wurde und wie viel Zeit dies in Anspruch genommen hat.
Unterschiedliche Formen der Hilfeleistung
Um den Umfang der geleisteten Hilfestellung im Pflegetagebuch anzugeben, haben sich folgende Abkürzungen etabliert:
A - Anleitung
Sie leiten den Pflegebedürftigen bei der Verrichtung einer Tätigkeit an.
B - Beaufsichtigung
Sie beaufsichtigen die selbstständige und vollständige Ausführung einer Tätigkeit (bspw. oft beim Rasieren oder Kochen aufgrund der Verletzungsgefahr)
U - Unterstützung
Die pflegebedürftige Person kann eine Tätigkeit selbstständig ausführen, benötigt aber Unterstützung bei der Vor- und Nachbereitung (bspw. beim Duschen).
TÜ - Teilübernahme
Sie helfen Ihrem Angehörigen bei der Ausführung einer Aufgabe, die er nur in Teilen selbstständig umsetzen kann.
VÜ - Vollständige Übernahme
Der Pflegebedürftige kann die Tätigkeit nicht selbstständig ausführen, weshalb Sie die Aufgabe komplett übernehmen.
Fazit
Ein Pflegetagebuch ist ein einfaches, aber äußerst wirkungsvolles Instrument. Es hilft dabei, den tatsächlichen Pflegebedarf sichtbar zu machen und sorgt dafür, dass Pflegebedürftige die Unterstützung erhalten, die sie benötigen.
Wer den Pflegealltag strukturiert dokumentiert, erhöht die Chancen auf eine faire Begutachtung, den passenden Pflegegrad und damit die richtigen Leistungen der Pflegekasse
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