Pflegebedürftigkeit verändert das Leben der Betroffenen aber auch der pflegenden Angehörigen maßgeblich. Sie müssen sich in eine komplett neue Rolle einarbeiten, Ihre Tagesstruktur komplett der Pflege anpassen, in Ihrem Privatleben einen Schritt zurück treten und in den meisten Fällen auch Ihre Arbeit reduzieren oder aussetzen, was zusätzliche finanzielle Einbußen mit sich bringt. Gleichzeitig nimmt die Pflege Zeit und finanzielle Mittel in Anspruch, die vorher anderweitig genutzt werden konnten. Nicht zuletzt fällt es daher vielen Pflegenden schwer, im Prozess allen Anforderungen gerecht werden zu wollen, sich selbst nicht zu verlieren.
Damit Sie Ihre Pflege so planen können, dass sowohl die pflegebedürftige Person als auch Sie selbst glücklich sind, begleiten wir Sie in diesem Ratgeber von der Beantragung des Pflegegrads bis zur Planung & Umsetzung der Pflege.
Bestandsaufnahme: Pflegebedarf bestimmen
Wird ein Angehöriger von Ihnen pflegebedürftig, ist es zunächst wichtig den genauen Pflegebedarf zu bestimmen. Stellen Sie sich dafür zunächst folgende Fragen:
- Für welche Aufgaben wird Unterstützung benötigt?
- Welche Aufgaben können selbstständig erledigt werden?
- Gibt es Erkrankungen oder medizinische Anforderungen, die berücksichtigt werden müssen?
Um den genauen Umfang der Pflege zu bestimmen, eignen sich Pflegetagebücher besonders gut. Dabei wird 7-14 Tage jede pflegerische Maßnahme notiert und mit dem Grad der Hilfestellung sowie der erforderten Zeit dokumentiert.
Kostenlose Checkliste, damit Sie einen Überblick behalten!
Pflegegrad beantragen
Nachdem Sie sich dem pflegerischen Aufwand bewusst sind, sollte, falls noch nicht geschehen, ein Pflegegrad oder eine Pflegegrad Höherstufung bei der Pflegekasse beantragt werden. Dies ermöglicht Ihnen Zugang zu finanziellen und organisatorischen Unterstützungen wie Pflegegeld, Pflegesachleistungen, Pflegehilfsmitteln und Zuschüssen für Wohnraumanpassungen.
Stellen Sie den Antrag so früh wie möglich, da Sie ab Datum der Antragsstellung rückwirkend Leistungen geltend machen können.
Aufgabenliste erstellen
Sobald der Pflegegrad der pflegebedürftigen Person bestimmt wurde, können Sie unter Berücksichtigung der Leistungen durch die Pflegekasse mit der Planung der Pflege starten.
Im ersten Schritt sollten Sie dafür eine Liste mit allen Aufgaben erstellen, die täglich/regelmäßig für die bzw. mit der pflegebedürftigen Person erledigt werden müssen. Dazu zählt alles von Hilfe bei der Körperhygiene, über Haushaltsführung und Kochen bis zur Begleitung zu Arztbesuchen und Gesellschaft leisten im Alltag. Anhand dieser Liste können Sie mit allen Beteiligten besprechen, wer welche Aufgaben erledigen kann, wie viel Zeit pro Woche zur Verfügung steht und welche Aufgaben lieber durch einen professionellen Pflegedienst abgedeckt werden sollen.
Wohnumfeld begutachten
Bevor eine endgültige Entscheidung der Pflegeform getroffen wird, sollte auch das häusliche Umfeld begutachtet werden. Können die räumlichen Gegebenheiten der Wohnung des Betroffenen überhaupt der Pflege gerecht werden? Ist die Wohnung barrierefrei oder müssen erhebliche Umbauten stattfinden? Sind die Türen und Wohnbereiche breit genug um mit Hilfsmitteln wie Rollatoren oder Rollstühlen zu passieren? Welche Kosten bringen diese Umbauten mit sich? Können bei einer Mietwohnung überhaupt die erforderlichen Anpassungen vorgenommen werden oder muss ein Umzug stattfinden?
Bei Beginn der Pflegebedürftigkeit machen kleine Anpassungen oft schon einen großen Unterschied und sichern das weitere Verweilen in der häuslichen Umgebung. Dazu zählt unter anderem das Entfernen von Stolperfallen, das Anbringen von zusätzlichen Lichtquellen und Haltegriffen in Gefahrenzonen und das Tragen von sicherem Schuhwerk.
Benötigte Hilfsmittel identifizieren
Auch Hilfsmittel tragen erheblich zur Selbstständigkeit des Pflegebedürftige und dem Erfolg der häuslichen Pflege bei. Überlegen Sie, welche Hilfsmittel den Alltag erleichtern können und aktuelle Probleme, beispielsweise beim Laufen, reduzieren. Bei der Auswahl, gerade von größeren Hilfsmitteln, kann die Beratung durch einen Arzt oder anderes Fachpersonal sinnvoll sein.
Hilfsmittel, die von der Pflegekasse bezuschusst oder komplett übernommen werden können, sind beispielsweise:
- Rollator
- Rollstuhl (mit oder ohne Elektroantrieb)
- Toilettenstuhl oder Toilettensitzerhöhung
- Treppenlift
- Pflegebett oder Spezialmatratze
- Patientenlifter
- Badewannenlift
- Badewannen- und Duschsitz
- Hausnotrufsystem
- Zum Verbrauch bestimmte Hilfsmittel wie Desinfektionsmittel, Pflegehandschuhe etc.
Machbarkeit bewerten
Entscheiden Sie ehrlich, wie viel Zeit Sie bereit sind in die Pflege zu investieren. Ist es für Sie möglich von Ihrem Beruf zurück zu treten und wollen Sie das auch? Können Sie die Pflegetätigkeit mit Ihren anderen Verpflichtungen (bspw. Familie, Freunde etc.) vereinbaren? Gibt es andere Angehörige oder Bekannte, die mit Ihnen gemeinsam die Pflege bewerkstelligen können? Sind Sie überhaupt körperlich in der Lage dazu die Pflege auszuüben?
Finanzierung der Pflege
Egal ob die Pflege zu Hause oder im Pflegeheim erfolgt, es muss mit einer finanziellen Mehrbelastung gerechnet werden. Nutzen Sie daher unbedingt alle Zuschüsse und Pflegeleistungen der Pflegekasse, um die Kosten zu gut es geht einzudämmen. Beachten Sie dabei, ob für die Pflege die berufstätigkeit aufgegeben oder reduziert werden muss. Wie Ihre Rentenbeitragszahlung geregelt wird, ob eine Freistellung vom Arbeitsplatz notwendig ist und wie hoch die Pflegeleistungen beim anerkannten Pflegegrad ausfallen.
Notfallorganisation
Damit Sie in Notfällen handlungsfähig bleiben, sollten Sie sich mit der pflegebedürftigen Person gemeinsam um eine Vorsorgevollmacht, eine Patientenverfügung und eine Betreuungsvollmacht kümmern. Zusätzlich sollte ein klares Vorgehen für Notfälle festgelegt werden. Wer ist im Notfall erreichbar? Wie kann sich Zugang zur Wohnung verschafft werden? Wo ist ein Schlüssel hinterlegt? Wie wird Hilfe organisiert? Hilfsmittel wie Hausnotrufsysteme können dieses Pozess erheblich erleichtern, gerade wenn die Angehörigen noch erwerbstätig sind.
Entscheidung treffen
Nachdem Sie nun alle Bereiche der Pflege begutachtet haben, sollte entschieden werden, ob die Pflege im häuslichen Umfeld tragbar ist, oder doch auf Pflegeeinrichtungen gesetzt wird. Keins von beidem ist kategorisch besser oder schlechter, wichtig ist schlichtweg, dass die Pflege gewährleistet werden kann und alle Beteiligten mit der Entscheidung einverstanden sind. Die pflegenden Personen müssen sich darüber bewusst sein, dass die Pflege im häuslichen Umfeld physisch und psychisch herausfordernd sein kann und Absprachen verbindlich sind.
Gleichzeitig gibt es Unterstützungsangebote wie Pflegekurse, die das benötigte Wissen vermitteln, oder ambulante Pflege, die im eigenen Zuhause unterstützt. Auch Kurzzeitpflege und Verhinderungspflege helfen bei steigendem Pflegegrad persönliche Auszeiten der pflegenden Personen zu überbrücken. Dennoch kann insbesondere bei steigendem Pflegegrad das Sicherstellen der richtigen Versorgung im häuslichen Umfeld nicht immer ganz einfach sein und eine erhebliche finanzielle Belastung bedeuten.
Lassen Sie sich bei dieser Entscheidung am besten bei dafür vorgesehenen Pflegeberatungen und Pflegestützpunkten kostenlos beraten.
Pflegeplanung Checkliste
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Standard. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf den Button unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Weitere InformationenFazit
Eine plötzliche Pflegebedürftigkeit ist für Angehörige schwierig zu handhaben, aber mit der richtigen Planung lässt sich die anfängliche Überforderung gut überwinden. Wichtig ist, dass Sie immer Schritt für Schritt vorgehen und ehrlich zu sich selbst sind. Das Thema Pflege ist sehr umfassend, scheuen Sie sich daher nicht davor Beratungen in Anspruch zu nehmen, um die richtige Lösung für Ihre Familie zu identifizieren.