Die Nutzung eines Hausnotrufs ohne Pflegegrad ist durchaus möglich. Wer allein lebt, ein erhöhtes Sturzrisiko hat oder sich im Alltag mehr Sicherheit wünscht, kann ein solches System auch ohne anerkannte Pflegebedürftigkeit nutzen. Wichtig ist aber die Unterscheidung zwischen Nutzung und Kostenübernahme: Ein Hausnotruf kann privat gebucht werden, die Übernahme der Kosten durch die Pflegekasse greift jedoch erst ab Pflegegrad 1 und nur unter Erfüllung weiterer Voraussetzungen.
Was ist ein Hausnotruf?
Ein Hausnotruf besteht klassischerweise aus einer Basisstation, die in der Wohnung platziert wird, und einem Funksender, der als Armband oder Halskette getragen wird, über den per Knopfdruck 24/7 eine Verbindung zu einer Hausnotrufzentrale hergestellt werden kann. Dort sind alle wichtigen Informationen zum Betroffenen hinterlegt, damit je nach Notsituation Angehörige, Bereitschaftsdienst oder Rettungsdienst informiert werden können.
Mittlerweile gibt es zudem moderne Lösungen für unterwegs wie Smartwatches, die zusätzlich eine Sturzerkennung und das deutschlandweite Auslösen eines Notrufs per Knopfdruck ermöglichen.
Hausnotruf ohne Pflegegrad nutzen - geht das?
Auch ohne vorhandenen Pflegegrad können Privatpersonen einen Hausnotruf in Anspruch nehmen. Das Gerät kann in diesem Fall nicht von der Kranken- oder Pflegekasse bezuschusst werden, wodurch der Nutzer selbst die volle monatliche Gebühr tragen muss.
Für wen lohnt sich ein Hausnotruf auch ohne Pflegegrad?
Nicht jede Person, die ein Hausnotrufgerät nutzt, hat einen Pflegegrad oder will ihn beantragen. Dennoch kann ein erhöhtes Bedürfnis nach Sicherheit bestehen, was durch den Hausnotruf erfüllt werden kann.
Insbesondere für alleinlebende Senioren, Menschen mit chronischen Erkrankungen wie Parkinson, Demenz oder Diabetes, frisch entlassene Patienten nach einem Krankenhausaufenthalt oder besorgte Angehörige, kann ein Hausnotruf die ideale Lösung zur Erhaltung der Selbstständigkeit und Sicherheit des Nutzers bieten. Auch Sturzangst, Schwindel, Unsicherheiten beim Gehen oder ein vergangener Sturz sind ein guter Grund, mit einem Hausnotruf nachzurüsten.
Kosten ohne Pflegegrad
Die Kosten für einen Hausnotruf mit 24/7 Notrufzentrale auf Selbstzahlerbasis variieren von Anbieter zu Anbieter, bewegen sich aber in der Regel immer zwischen 25 und 60€ monatlich, je nach Ausstattung und gebuchten Zusatzleistungen.
Bei SHS kostet der Basishausnotruf für Zuhause mit 24/7 erreichbarer Notrufzentrale und zusätzlichen selbst hinterlegten Kontaktpersonen 27€ monatlich. Einmalige Gebühren, beispielsweise für Anschluss oder Einrichtung, fallen nicht an.
Mögliche Zusatzleistungen sind die mobile Absicherung in ganz Deutschland, ein vor Ort Bereitschaftsdienst, die Schlüsselhinterlegung, ein zusätzlicher Funksender für Haushalte mit mehreren hilfsbedürftigen Personen, eine automatische Sturzerkennung und Rauchmelder.
Eine detaillierte Auflistung all unserer Produkte inkl. Kosten finden Sie unter dem Reiter Preise.
Vorteile
Auch mit Pflegegrad ist der Zuschuss der Kranken- und Pflegekassen für Ihr Hausnotrufsystem nicht garantiert. Die Kassen entscheiden von Fall zu Fall anhand festgelegter Kriterien, ob ein Antrag genehmigt wird. Ohne Pflegegrad müssen Sie nicht auf die Bearbeitung Ihres Antrags bei der Pflegekasse warten, sondern können den Hausnotruf sofort nutzen und von der zusätzlichen Sicherheit profitieren.
Außerdem wird von den Pflegekassen auch bei Kostenzusage nur das Basisgerät in Höhe von 27€ komplett übernommen. Bei Extraleistungen oder Geräten für unterwegs besteht auch mit Pflegegrad ein Eigenanteil an den Kosten.
Achtung bei der Anbieterauswahl
Gerade wenn Sie das Hausnotrufgerät komplett selbst finanzieren, sollten Sie bei der Auswahl Ihres Anbieters noch gründlicher recherchieren. Achten Sie dabei vor allem auf folgende Punkte:
Versteckte Kosten und transparente Vertragsgestaltung
Achten Sie bei der Auswahl des Anbieters nicht nur auf den Preis des Geräts sondern auch die darin enthaltenen Leistungen. Werden Serviceleistungen wie Einrichtung, Einweisung und Wartung zusätzlich berechnet oder sind sie im Preis enthalten? Eine transparente Vertragsgestaltung mit Auflistung aller Kostenpunkte ist ein wichtiger Indikator für die Seriosität des Anbieters.
Funktionsumfang
Kontrollieren Sie genau, welche Leistungen Sie benötigen und was im jeweiligen Paket enthalten ist. Kann der Anbieter alle gewünschten Basis oder Zusatzleistungen abbilden? Inwiefern bringt das zusätzliche Kosten mit sich? Kann sich das Gerät an Ihre individuellen Bedürfnisse anpassen?
Einweisung und Schulung
Berät der Anbieter Sie umfassend und erklärt die Funktionsweise und technische Handhabung des Geräts? Außerdem sollte darauf geachtet werden, ob die Mitarbeiter qualifiziert sind und Fragen schnell und problemlos geklärt werden können.
Reaktionsgeschwindigkeit und Hilfeplan
Achten Sie bei der Wahl des Anbieters darauf, dass bei jedem Gerät eine 24/7 Notrufzentrale enthalten ist. In manchen Fällen wird der Hausnotruf nur über eigene Angehörige abgebildet, was gerade nachts oder bei anderen Abwesenheiten sehr gefährlich werden kann. Zudem sollte auf Auslösen des Alarms schnell reagiert werden, sodass im Ernstfall keine wichtige Zeit verloren geht. Gleichzeitig sollte sich vor Inbetriebnahme des Hausnotrufs vom Anbieter die Zeit genommen werden, mit Ihnen gemeinsam einen Hilfeplan mit Kontaktpersonen, Vorerkrankungen und weiteren wichtigen Informationen auszuarbeiten, sodass im Notfall das Vorgehen klar definiert ist.
Kündigungsfristen und Vertragslaufzeiten
Die Flexibilität der Vertragslaufzeit und Kündigungsfristen ist ein weiterer wichtiger Aspekt. Wenn sich Ihre Lebenssituation plötzlich ändert, wollen Sie an keinen Vertrag mit einem Jahr Restlaufzeit gebunden sein, sondern flexibel über Beendigung oder Wechsel des Geräts entscheiden können. Achten Sie auf faire und kundenorientierte Vertragsbedingungen, eine Frist von einem Monat ist hier realistisch.
Alternative: Pflegegrad Antrag
Je nach Ausgangslage kann eine Alternative zum Hausnotruf auf Selbstzahlerbasis auch die Beantragung eines Pflegegrads sein, sodass die Chance auf eine Bezuschussung der Kosten durch die Pflegekasse besteht.
Wann lohnt sich die Pflegegrad Beantragung?
Die Bezuschussung durch die Pflegekasse kann gerade bei einer schwierigen finanziellen Ausgangslage der entscheidende Punkt sein, ob der Hausnotruf genutzt werden kann oder nicht.
Wenn der Grund für den Hausnotruf nicht nur ein vorübergehender Bedarf an Sicherheit ist, sondern mit dauerhaften Einschränkungen im Alltag zusammenhängt, kann die Anerkennung eines Pflegegrads durchaus im Rahmen des Möglichen liegen. Den Antrag können Sie kostenfrei und ohne Risiko direkt bei Ihrer Krankenkasse stellen. Sprechen Sie im Vorhinein gerne mit Ihrem behandelnden Arzt darüber, um eine zweite Meinung zu bekommen.
Bereits ab Pflegegrad 1 erhalten Sie Zugang zu Leistungen wie einer Pflegeberatung und Pflegehilfsmitteln wie einem Hausnotruf.
Fazit
Auch wenn die Kosten für den Hausnotruf ohne Pflegegrad komplett vom Nutzer selbst getragen werden müssen, kann es eine sehr sinnvolle Investition in die eigene Gesundheit sein – insbesondere für alleinlebende ältere Menschen oder Personen mit erhöhter Sturz- und Notfallgefahr. Wer kurzfristig mehr Sicherheit braucht, kann damit schnell und spontan versorgen. Bei langfristiger Nutzung sollte je nach Auslöser für den Hausnotruf gegebenenfalls die Option der Beantragung eines Pflegegrads in Betracht gezogen werden, sodass im Idealfall von der Bezuschussung der Pflegekasse Gebrauch gemacht werden kann.
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