Smartphone-Apps versprechen schnelle Hilfe per Fingertipp, GPS-Ortung und direkte Benachrichtigung von Angehörigen. Doch können Notruf-Apps einen klassischen Hausnotruf wirklich ersetzen? Gerade ältere Menschen und Angehörige stellen sich zunehmend die Frage, ob eine reine App-Lösung ausreicht oder ob ein professionelles Hausnotrufsystem weiterhin die sicherere Wahl bleibt.
In diesem Beitrag vergleichen wir bekannte Notruf-Apps wie Nana App, Malteser+, Nora, easierLife, Libify und EchoSOS mit klassischen Hausnotrufgeräten und zeigen, wo die Grenzen moderner Smartphone-Lösungen liegen.
Was sind Notruf Apps überhaupt?
Notruf-Apps sind Anwendungen für Smartphones oder Smartwatches, mit denen Nutzer im Notfall Hilfe anfordern können. Je nach Anbieter bieten die Apps Funktionen wie:
- Alarm per Knopfdruck
- Benachrichtigung von Angehörigen
- Standortübermittlung per GPS
- Sturzerkennung
- Video-oder Sprachverbindung
- Integration mit Hausnotrufsystemen
- Notrufweiterleitung an Leitstellen
Der große Vorteil: Das Smartphone ist für viele Menschen ohnehin täglicher Begleiter. So muss kein zusätzliches Gerät mitgenommen werden, um den Notruf abzusetzen. Allerdings hängt die Zuverlässigkeit der Apps stark von Akku, Mobilfunkempfang, Bedienbarkeit und technischer Erfahrung ab.
Bekannte Notruf Apps im Überblick
Nana App
Die Nana App richtet sich vor allem am Senioren und ihre Angehörigen. Die App wird über eine vorhandene Smartwatch installiert und kann dort als SOS Button genutzt werden. Zusätzlich können Angehörige über die App auf dem Handy die Daten einsehen, Gesundheitsdaten verwalten, GPS Tracking nutzen und auch Erinnerungen erstellen.
Vorteile
Die Angehörigen können über die App dauerhaft einen Blick auf ihre Liebsten haben und erhalten regelmäßig Benachrichtigungen zu Aufenthaltsort, Gesundheit und mehr.
Nachteile
Die App allein kostet 19,99€ monatlich. Zusätzlich dazu muss der Nutzer bereits selbst eine Smartwatch haben. Funktionen wie die Sturzerkennung und Gesundheitsdatenerfassung sind nicht auf allen Smartwatches nutzbar. Die App ist mit keiner Notrufzentrale verbunden, sondern setzt nur auf Hilfe durch Angehörige.
Malteser+ App
Die Malteser+ App kann als Ergänzung zu einem bereits abgeschlossenen Hausnotrufvertrag bei den Maltesern genutzt werden. Richtet sich also an Bestandkunden und ihre Angehörigen. Über die App können die bei der Zentrale hinterlegten Daten verwaltet, Kontakt zu den Maltesern aufgenommen und bei Auslösen des Notrufs über das bestehende Hausnotrufgerät eine Benachrichtigung an das Handy des Angehörigen gesendet werden.
Vorteile
Die App ermöglicht eine einfache Verwaltung und informiert Angehörige über die Notfalleinsätze durch die Malteser.
Nachteile
Über die App können keine Notrufe abgesetzt werden. Sie dient lediglich der digitalen Erweiterung eines bestehenden Hausnotrufvertrags bei den Maltesern.
Nora App
Die Nora App ist die offizielle Notruf-App der Bundesländer für Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienst. In der App können für den Notfall persönliche Daten hinterlegt werden. Das Absetzen des Notrufs erfolgt entweder über eine telefonische Verbindung mit den offiziellen zentralen, kann aber auch ohne Sprache durch das beantworten mehrerer vorgefertigten Fragen getan werden.
Vorteile
Über die App kann einfach eine Verbindung zu Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienst aufgebaut werden. Gerade für Menschen mit eingeschränkten Hör- und Sprachfähigkeiten bietet das Absetzen eines Notrufs ohne Sprache eine super Alternative zum klassischen Notruf.
Nachteile
Das Absetzen des Notrufs erfordert mehrere Schritte und technisches Geschick, was bei Senioren zu Problemen führen kann. Es können nur offizielle Leitstellen und keine Angehörigen zur Hilfe gerufen werden, da die App als Ersatz für den klassischen Notruf über 112 und nicht als Ersatz für einen Hausnotruf vorgesehen ist.
easierLife App
Die easierLife App funktioniert wie die Malteser+ App als Ergänzung zu einem bestehenden Hausnotrufvertrag. Angehörige bekommen Push Benachrichtigungen wenn Notfälle auftreten und können über die App direkt Kontakt zu der betroffenen Person aufnehmen und auf die Situation reagieren. Es ist außerdem möglich über die App ein Geofencing einzurichten, sodass bei Verlassen bestimmter Bereiche Benachrichtigungen gesendet werden.
Vorteile
Angehörige bekommen einen Überblick über aktuelle Notfälle und können direkt reagieren.
Nachteile
Die App dient lediglich der Ergänzung eines bestehenden Hausnotrufs und kann keinen Notfallknopf ersetzen.
Libify App
Die Libify App kann als Ergänzung zum libifyBasic, libifyHome ode libifyMobil Hausnotrufgerät genutzt werden und bietet Angehörigen die Möglichkeit über aktuelle Alarme und die hinterlegten Daten informiert zu werden.
EchoSOS
Die EchoSOS App nutzt den aktuellen Standort des Nutzers, um die lokalen Notfallnummern anzuzeigen und einen Notruf zu Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienst per Knopfdruck zu ermöglichen. Zudem kann ein Notfallpass angelegt werden, sodass im Notfall auf alle wichtigen Informationen zugegriffen werden kann.
Vorteile
Die App ist kostenfrei und ermöglicht es im Ausland ohne viel Suchen die korrekten Notfallnummern zu nutzen. Der hinterlegte Notfallpass sorgt für bessere Hilfe im Ernstfall.
Nachteile
Die App ersetzt keinen Hausnotruf und ist nicht speziell auf die Nutzung durch Senioren ausgelegt, sondern dient als allgemeiner Helfer zur Kontaktierung von Notfallleitstellen im In- und Ausland.
Können Notruf-Apps den klassischen Hausnotruf ersetzen?
Die kurze Antwort lautet: In den meisten Fällen nein.
Aktuell gibt es keine Apps auf dem Markt, die einen Hausnotruf vollumfänglich ersetzen können. Ein Großteil der Apps dienen entweder nur als Ergänzung zu einem bestehenden Hausnotrufsystem und sind an Angehörige gerichtet oder sind nur als grundsätzlicher Helfer zu Kontaktaufnahme mit Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienst vorgesehen. Oft werden diese Funktionen aber auch schon durch die im Handy integrierte Notruffunktion kostenfrei abgedeckt. Um wirklich einen zuverlässigen Notruf zu haben, der 24/7 erreichbar ist und sowohl Rettungs- und Bereitschaftsdienst als auch eigene Angehörige einbindet, sollte weiterhin auf klassische Hausnotrufgeräte gesetzt werden. Diese sind auf ihre Zuverlässigkeit geprüft und richten sich speziell an die Anforderungen von Senioren.
Das größte Problem von Notruf Apps
Viele Apps setzen voraus, dass der Nutzer:
- das Smartphone griffbereit hat
- den Alarm aktiv auslösen kann
- ausreichend Akku vorhanden ist
- Mobilfunkempfang besteht
- die Technik sicher bedienen kann
Gerade bei Stürzen, Kreislaufproblemen oder Demenzsituationen kann das problematisch werden.
Ein klassischer Hausnotruf funktioniert dagegen unabhängig vom Smartphone direkt über eine Basisstation und einen tragbaren Notrufsender.
Warum viele Apps nur in Kombination mit einem Hausnotruf funktionieren
Viele moderne Anbieter haben erkannt, dass reine App-Lösungen nicht ausreichen. Deshalb kombinieren Unternehmen wie easierLife, Libify oder die Malteser ihre Apps mit:
- mobilen Notrufknöpfen
- Basisstationen
- Sturzsensoren
- professionellen Notrufzentralen
Die App dient dann eher als:
- Zusatzservice für Angehörige
- Verwaltungsoberfläche
- Standortanzeige
- Kommunikationsplattform
Die eigentliche Sicherheit liefert weiterhin die Hardware des Hausnotrufs.
Für wen eignen sich Notruf Apps?
Aktive Senioren
die viel unterwegs sind und ihr Smartphone sicher bedienen können.
Angehörige
die die Standortanzeige nutzen und Benachrichtigungen im Notfall erhalten möchten.
Für wen ist ein klassischer Hausnotruf besser geeignet?
Ein klassischer Hausnotruf eignet sich besonders für:
- alleinlebende Senioren
- Menschen mit Sturzrisiko
- Pflegebedürftige
- chronisch kranke Personen
- Menschen mit Demenz
- Personen mit eingeschränkter Smartphone-Nutzung
Ausschlaggebend ist dabei die permanente Verbindung zu einer professionellen Notrufzentrale, die auf den bedarf abgestimmt Hilfe einleitet, und die Bezuschussbarkeit durch die Pflegekasse.
Fazit
Als alleinige Sicherheitslösung stoßen Apps schnell an Ihre Grenzen. Der klassische Hausnotruf bleibt insbesondere für ältere und pflegebedürftige Menschen die zuverlässigste Lösung, vor allem durch:
- einfache Bedienung
- professionelle Notrufzentralen
- hohe Ausfallsicherheit
- speziell entwickelte Notrufgeräte
Die Zukunft liegt wahrscheinlich in der Kombination aus beidem: moderne Apps als Ergänzung zu einem professionellen Hausnotrufsystem.
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