Mit zunehmendem Alter verändert sich nicht nur der Körper, sondern auch die geistige Leistungsfähigkeit kann sich verändern. Namen fallen manchmal nicht sofort ein, Termine werden eher vergessen oder man benötigt etwas länger, um neue Informationen zu verarbeiten.
Das heißt aber nicht, dass ältere Menschen ihre geistige Fitness einfach dem Zufall überlassen müssen. Gedächtnistraining im Alter, körperliche Bewegung, soziale Kontakte und abwechslungsreiche Aktivitäten können nachweislich dazu beitragen, geistig aktiv zu bleiben und die Selbstständigkeit im Alltag zu unterstützen.
Wie Sie Gedächtnistraining durch einfache Übungen in Ihren Alltag einbinden können und worauf geachtet werden sollte, erfahren Sie in diesem Ratgeber!
Warum ist Gedächtnistraining im Alter sinnvoll?
Mit dem natürlichen Alterungsprozess und der geringeren Beanspruchung des Gehirns im Alter, beispielsweise durch das Ausscheiden aus der Arbeitswelt und weniger soziale Kontakte, lässt die Leistungsfähigkeit des Gehirns nach. Aber unser Gehirn bleibt grundsätzlich anpassungsfähig, auch im hohen Alter. Werden bestimmte Fähigkeiten regelmäßig beansprucht, trainieren wir beispielsweise unsere Aufmerksamkeit, Konzentration, Sprache, räumliche Orientierung oder Merkfähigkeit, was eine zentrale Rolle für ein selbstständiges Leben im Alter spielt, das Risiko von kognitiven Abbau und Demenz verringert und das Gehirn fit hält.
Welche Fähigkeiten lassen sich trainieren?
Gedächtnistraining für Senioren muss und sollte nicht ausschließlich darin bestehen, sich möglichst viele Wörter oder Zahlen zu merken. Sinnvoll ist vielmehr ein abwechslungsreiches Training verschiedener Bereiche. Der Bundesverband Gedächtnistraining e.V. hat dafür 12 Trainingsziele definiert, die in einem ganzheitlichen Gedächtnistraining abgedeckt werden sollten. Dazu zählen:
- Konzentrationsfähigkeit
- Logisches Denken
- Merkfähigkeit
- Assoziatives Denken
- Denkflexibilität
- Fantasie & Kreativität
- Sprache
- Inhalte strukturieren
- Urteilsfähigkeit
- Wortfindung
- Wahrnehmung
- Erkennen von Zusammenhängen
Bewegung gehört zum Gedächtnistraining dazu
Geistige und körperliche Gesundheit lassen sich nicht vollständig voneinander trennen. Regelmäßige körperliche Aktivität unterstützt unter anderem das Herz-Kreislauf-System, Beweglichkeit, Gleichgewicht und allgemeines Wohlbefinden. All das kann auch positive Auswirkungen auf die Gehirn Gesundheit haben.
Besonders interessant ist die Kombination aus Bewegung und geistiger Aktivität, das sogenannte Dual-Task-Training. Beispiele dafür sind sind:
- beim Spaziergang Pflanzen- oder Straßennamen merken
- während des Gehens rückwärts zählen
- Bewegungsübungen mit Wortspielen kombinieren, zum Beispiel einen Ball werfen und bei jedem Fangen ein Tier mit einem bestimmten Buchstaben sagen
- gemeinsam mit anderen Menschen spazieren gehen und sich dabei unterhalten
So werden mehrere Fähigkeiten gleichzeitig angesprochen und die Bildung von neuen Nervenverbindungen gefördert.
Auch soziale Kontakte halten den Kopf aktiv
Gespräche sind ein oft unterschätztes Gedächtnistraining. Während eines Gesprächs muss das Gehirn zuhören, Informationen verstehen, Erinnerungen abrufen, passende Antworten formulieren und auf das Gegenüber reagieren.
Regelmäßiger Kontakt zu Familie, Freunden, Nachbarn oder anderen Menschen kann deshalb ebenfalls positiv zur geistigen Aktivität beitragen. Super Möglichkeiten, um aktuelle Kontakte zu pflegen oder neue zu knüpfen und gleichzeitig das Gehirn zu trainieren, sind gemeinsame Spaziergänge, Spielenachmittage, Seniorengruppen, Vereinsaktivitäten, gemeinsames Kochen oder Telefonate mit Angehörigen.
Gedächtnistraining für Senioren: 10 einfache Übungen für zu Hause
Einkaufsliste merken
Gehen Sie einmal ohne Einkaufsliste einkaufen und versuchen Sie sich Ihre Einkaufsliste von zuhause zu merken. Alternativ oder zusätzlich können auch die Preise der Lebensmittel beim Einkaufen im Kopf zusammengerechnet werden.
Wörter sammeln
Wählen Sie einen Buchstaben, zum Beispiel A. Versuchen Sie innerhalb von zwei Minuten so viele Wörter wie möglich mit diesem Anfangsbuchstaben zu finden und aufzuschreiben.
Wortketten bilden
Beginnen Sie mit einem zusammengesetzten Wort, zum Beispiel Baumhaus. Jetzt bilden Sie jeweils mit dem letzten Teil des Wortes ein neues Wort. Baumhaus > Haustür > Türschloss > ...
Kopfrechnen
Lösen Sie kleine Rechenaufgaben ohne Taschenrechner. Das kann im Rahmen des Alltags verlaufen, beispielsweise beim Einkaufen, aber auch durch spezielle Hefte oder Vorlagen aus dem Internet. Alternativ können Sie auch in 3er, 5er, 7er Schritten von 100 herunterzählen.
Stadt-Land-Fluss
Das klassische Stadt-Land-Fluss Spiel eignet sich ideal um das Gehirn alleine oder in einer Gruppe zu trainieren und kann beliebig durch weitere Kategorien wie Tiere, Pflanzen, Marken, Werkzeuge, Prominente etc. erweitert werden.
Erinnerungen aktivieren
Versuchen Sie sich an Ereignisse aus Ihrer Vergangenheit zu erinnern und möglichst viele Details dazu abzurufen. Beispielsweise die erste Wohnung, in der Sie gelebt haben. Die Übung lässt sich ideal in Gespräche mit Angehörigen einbauen.
Tagesablauf durchgehen
Überlegen Sie sich am Abend, was über den Tag passiert ist. Was haben sie heute Morgen gemacht? Mit wem haben Sie gesprochen? Was haben Sie gegessen? Wo waren Sie unterwegs? Versuchen Sie die Reihenfolge möglichst genau zu rekonstruieren.
Neue Wege nehmen
Statt der üblichen Route Ihres Spaziergangs, können Sie hin und wieder eine leicht veränderte sichere Route wählen. Die neuen Eindrücke und die erforderte Orientierung fordern das Gehirn stärker als eingeübte und gleichbleibende Routinen.
Gemeinschaftsspiele
Laden Sie Freunde, Angehörige oder Bekannte zu regelmäßigen Spieleabenden ein. Dort können Sie sowohl altbekannte Spiele wie Monopoly oder Memory spielen, als auch neue Spiele, die frischen Wind in die Runde bringen und das Gehirn zusätzlich fordern.
Zeitungsspiel
Lesen Sie Ihre Zeitung wie gewohnt und überlegen Sie im Nachhinein worum es in den Artikeln ging, welche Personen benannt wurden und welche Schlagzeilen Ihnen besonders im Kopf geblieben sind.
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Das sollten Sie beachten
Für ein erfolgreiches Gedächtnistraining sind vor allem folgende Faktoren wichtig:
Abwechslung
Genau wie es nicht reicht nur einen Muskel im Fitnessstudio zu trainieren um fit zu werden, sollten auch bei einem effektiven Gedächtnistraining unterschiedliche Bereiche gefordert werden. Nur ein tägliches Kreuzworträtsel reicht dafür nicht aus.
Regelmäßigkeit
Um gute Effekte zu erzielen und Überforderung zu vermeiden, sollte lieber häufiger und dafür in kürzeren Etappen trainiert werden, anstatt an einem Tag mehrere Stunden Gehirnjogging zu machen und dann einige Wochen wieder gar nichts. Ca. 10-20 Minuten täglich sind ausreichend.
Schwierigkeitsgrad
Passen Sie das Training an Ihr aktuelles Können an. Direkt mit zu kniffligen Aufgaben zu starten, führt nur zu Frustration. Wenn Sie merken, dass Ihnen die Aufgaben mit der Zeit immer leichter fallen, sollten Sie zu schwierigeren Aufgaben wechseln.
Gruppenaktivitäten
Soziale Kontakte allein fordern bereits das Gehirn und halten uns geistig fit. Verbinden wir dies mit kleinen Aufgaben macht das Gedächtnistraining nicht nur mehr Spaß, sondern wird sogar effektiver.
Stress & Druck
Es geht nicht darum eine bestimmte Leistung zu erreichen, sondern um das aktive Bemühen. Gedächtnistraining sollte Spaß bereiten und nicht in einer Abfrage- / Schulsituation enden und Stress, Unmut, Ärger oder Langeweile auslösen.
Themenauswahl
Die Themen sollten Sie interessieren oder Alltagssituationen ähneln. Jemand der sich für Sport interessiert, macht vermutlich lieber ein Fußball Quiz, während eine andere Person sich mehr für Tiere oder Pflanzen interessieren kann.
Gedächtnistraining bei Demenz
Gedächtnistraining für Demenzerkrankte verfolgen das Ziel die Konzentrationsfähigkeit zu steigern und den Gedächtnisverlust, der mit der Erkrankung einhergeht, zu verlangsamen. Eine Heilung oder Vorbeugung von Demenz ist dadurch nicht möglich.
Das Gedächtnistraining sollte auch in diesem Fall ganzheitlich erfolgen und sowohl die Sinne, den Kopf und den Körper ansprechen. Dazu eignen sich kleine Übungen und Aktivitäten wie:
- gemeinsam Lieder singen oder Musiktitel erraten
- Fotoalben aus früheren Zeiten ansehen und über Erinnerungen sprechen
- Karten- oder Brettspiele spielen, die der Demenzerkrankte früher gerne gespielt hat
- Sinne aktivieren, beispielweise durch Ertasten von Gegenständen, Erkennen von Geräuschen, Achten auf Dinge in einer bestimmten Farbe, Wahrnehmen von Gerüchen, die mit bestimmten Erinnerungen verknüpft sind
- Sprichwörter vervollständigen zum Trainieren der Wortfindung
- Pantomimespiele (Begriffe durch typische Bewegungen & Gesten erraten)
Der Fokus sollte dabei auf Spiel und Spaß liegen. Die kleinen Erfolge, die Sie miteinander erleben, stärken gleichzeitig das Selbstwertgefühl und erhalten die Sozialkompetenz der dementen Person.
Tipps & Verhaltensregeln
1. Kommunikation
Sprechen Sie klar, deutlich und in einer angemessen Lautstärke mit der betroffenen Person. Verwenden Sie einfache Sätze. Blickkontakt und sanfte Berührungen an Arm oder Hand können helfen, die Aufmerksamkeit zu halten. Wenn der Angesprochene nicht sofort reagiert, bleiben Sie geduldig.
2. Empathie
Beobachten Sie Ihren Gegenüber genau und achten Sie auf die Reaktionen und Gefühle. Verliert die Person die Motivation, ist irritiert oder verärgert, brechen Sie das Spiel ab und starten Sie nach einer kleinen Pause ggf. mit einer anderen Beschäftigung oder versuchen Sie es an einem anderen Tag erneut.
3. Individuelle Anpassung
Orientieren Sie sich bei der Schwierigkeit der Übungen an den geistigen Fähigkeiten der demenzerkrankten Person. Statt zu versuchen Defizite durch die Übungen auszugleichen, sollten Sie sich darauf fokussieren, die noch vorhandenen Fähigkeiten zu stärken. Schaffen Sie aktiv Erfolgserlebnisse, um das Selbstwertgefühl der Person zu stärken und die Motivation hoch zu halten.
4. Spaß
Damit die Gedächtnisübungen Teil der täglichen Routine werden, muss die Person Spaß dabei haben. Testen Sie verschiedene Sachen, um herauszufinden, welche Übungen und Rätsel der Person wirklich gefallen und Spaß bringen.
5. Dauer
Demenzerkrankte können sich meist nur über einen kurzen Zeitraum konzentrieren. Es ist daher besser, mehrere kurze Einheiten von ca. 10 Minuten an einem Tag durchzuführen.
6. Aktuelle Geschehnisse vermeiden
Im Anfangsstadium ist nur das Kurzzeitgedächtnis der demenzerkrankten Person betroffen, weshalb sie sich neue Inhalte schlecht bis gar nicht merken kann. Versuchen Sie daher aktuelle Entwicklungen in Politik oder im Tagesgeschehen zu vermeiden und suchen Sie stattdessen Themen, die im Langzeitgedächtnis abgelegt sind. Das vermeidet Frustration auf beiden Seiten.
Gedächtnistraining ist nur ein Baustein
Wer geistig fit im Alter bleiben möchte, sollte nicht ausschließlich auf Gehirnjogging setzen. Der gesamte Lebensstil, also körperliche und geistige Aktivität, Ernährung, Soziales, Behandlung von Krankheiten und auch Verzicht auf Stoffe wie Alkohol und Zigaretten sowie ausreichend Schlaf, hat Einfluss auf die Gehirngesundheit.
Ein aktiver Alltag besteht deshalb idealerweise aus einer Kombination von:
Bewegung + geistiger Aktivität + sozialen Kontakten + ausgewogener Ernährung + medizinischer Vorsorge.
Wann sollte Vergesslichkeit ärztlich abgeklärt werden?
Gelegentlich einen Namen zu vergessen oder einen Gegenstand zu verlegen, bedeutet nicht automatisch, dass eine Demenzerkrankung vorliegt. Wenn Gedächtnisprobleme jedoch deutlich zunehmen oder den Alltag beeinträchtigen, sollte dies ärztlich abgeklärt werden.
Das gilt beispielsweise, wenn eine Person:
- häufig wichtige Termine oder Absprachen vergisst
- wiederholt die gleichen Fragen stellt
- sich in Ihrer gewohnten Umgebung nicht mehr zurechtfindet
- alltägliche Aufgaben zunehmend schwer bewältigen kann
- deutliche Veränderungen bei Sprache, Orientierung und Verhalten zeigt
Eine gute erste Anlaufstelle ist meist die Hausarztpraxis. Bei Bedarf kann anschließend eine neurologische Fachpraxis oder eine Gedächtnisambulanz hinzugezogen werden.
Fazit
Gedächtnistraining im Alter bedeutet nicht, jeden Tag schwierige Denkaufgaben lösen zu müssen. Vielmehr geht es darum, das Gehirn immer wieder auf unterschiedliche Weise zu fordern und fit zu halten.
Binden Sie Übungen, die Ihnen Spaß bringen, regelmäßig in Ihren Alltag ein, probieren Sie Neues aus und vernachlässigen Sie nicht die anderen Bausteine wie Ernährung und soziale Kontakte.
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