Die Pflege eines nahestehenden Menschen bringt viele neue Aufgaben, Fragen und Unsicherheiten mit sich. Was darf und kann ich als Angehöriger übernehmen? Wie helfe ich richtig beim Waschen oder Aufstehen? Und wie schütze ich mich selbst vor Überlastung?
Pflegekurse bieten hier eine wertvolle Unterstützung. Sie vermitteln praktisches Wissen, geben Sicherheit im Alltag und helfen, Pflegebedürftige besser zu versorgen. Und das nach Paragraf 45 SGB XI sogar kostenlos.
In diesem Beitrag erfahren Sie:
- was Pflegekurse sind und für wen sie gedacht sind
- warum Pflegekurse auch für die eigene Gesundheit wichtig sind
- wer Anspruch auf einen kostenlosen Pflegekurs hat
- welche Inhalte vermittelt werden
- wie und wo Sie Pflegekurse finden
Was sind Pflegekurse?
Pflegekurse sind Schulungs- und Beratungsangebote für pflegende Angehörige und ehrenamtliche Pflegepersonen. Sie werden von Pflegekassen, Pflegediensten oder anderen anerkannten Stellen angeboten und sollen dabei helfen, die selbstständige Pflege zuhause sicher und gut organisiert zu bewältigen.
Im Mittelpunkt stehen dabei das praktische Erlernen von Pflegetechniken, Wissen über Erkrankungen, der richtige Umgang mit Pflegehilfsmitteln sowie die Entlastung und Selbstfürsorge der pflegenden Person.
- Pflegekurse können in Gruppen, als Einzelberatung oder online stattfinden
Für wen sind Pflegekurse gedacht?
Pflegekurse richten sich vor allem an:
- Pflegende Angehörige (z. B. Partner, Kinder, Enkel)
- Freunde oder Nachbarn, die regelmäßig unterstützen
- Ehrenamtliche Pflegepersonen wie Nachbarschaftshelfer
- Personen, die sich auf eine Pflegesituation vorbereiten möchten
- Wohlfahrtsverbänden
Ein Pflegekurs ist auch und gerade dann sinnvoll, wenn die Pflege erst beginnt oder noch geplant ist. Viele Herausforderungen lassen sich so frühzeitig besser bewältigen.
Vorteile von Pflegekursen
Pflegekurse helfen nicht nur der pflegebedürftigen Person, sondern insbesondere auch Angehörigen bei der Bewältigung der neuen Situationen. Sie sorgen für:
- mehr Sicherheit im Pflegealltag
- weniger körperliche Belastung und den Schutz der eigenen Gesundheit
- weniger Stress & Überforderung
- eine bessere Pflegequalität
- mehr Selbstständigkeit der Pflegebedürftigen durch gezielte Unterstützung
Wann sind Pflegekurse kostenlos?
Die Kosten für Pflegekurse werden von der Pflegekasse übernommen, sobald die pflegebedürftige Person einen anerkannten Pflegegrad hat. Folgende Personen sind für den kostenlosen Pflegekurs berechtigt:
- – Angehörige von Pflegebedürftigen mit Pflegegrad
- – Personen, die eine pflegebedürftige Person regelmäßig unterstützen
- Der Anspruch auf Kostenübernahme besteht unabhängig davon, ob Pflegegeld oder Pflegesachleistungen genutzt werden. In vielen Fällen können Pflegekurse sogar dann besucht werden, wenn der Pflegegrad noch beantragt ist oder die Pflege erst beginnt.
Auch private Pflegeversicherungen bieten Pflegekurse an, um auf die häusliche Pflege eines Angehörigen vorzubereiten. Beispielsweise kann das sogenannte Pflegetraining von Medicproof in Anspruch genommen werden.
Inhalte von Pflegekursen
Je nach Anbieter können die Inhalte der Pflegekurse leicht variieren. Kernthemen, die immer behandelt werden, sind:
- Die Grundlagen der häuslichen Pflege
- Pflegetechniken zur Unterstützung der Körperpflege und Hilfe beim An- & Auskleiden, sowie zum rückenschonenden Heben & Lagern und sicherem Aufstehen & Hinsetzen
- Der Umgang mit Erkrankungen wie Demenz, Mobilitätsverlust, Inkontinenz und chronischen Krankheiten
- Der richtige Einsatz von Pflegehilfsmitteln wie Rollatoren, Pflegebetten, Bettschutzeinlagen, Einmalhandschuhen und technischen Hilfsmitteln
- Die Organisation der Pflege und Entlastungsmöglichkeiten
- Selbstfürsorge für pflegende Angehörige
Häufig wird auch das Thema Sicherheit zuhause in Form von Möglichkeiten zur Sturzprävention, sicheren Bewegungsabläufen und Notfallorganisation behandelt
Gerade bei Alleinleben oder erhöhter Sturzgefahr kann es sinnvoll sein, zusätzlich über Notfallabsicherung nachzudenken, zum Beispiel in Form eines von der Pflegekasse bezuschussten Hausnotrufs.
Arten von Pflegekursen
Es gibt drei verschiedene Veranstaltungsformen für Pflegekurse:
- 1. Präsenz Pflegekurse finden beim Anbieter vor Ort in kleinen Gruppen statt. Sie ermöglichen das praktische Lernen anhand von Mitmach-Übungen und laden zum direkten Austausch mit Experten ein. Auch der Erfahrungsaustausch mit anderen Pflegenden ist wertvoll, um Tipps zu erhalten und sich ein persönliches Sicherheitsnetz aufzubauen.
2. Online Pflegekurse bieten den großen Vorteil, dass sie ortsunabhängig und zeitlich flexibel wahrgenommen werden können. Besonders sinnvoll sind sie daher bei wenig Zeit oder einer großen Entfernung zum nächsten Anbieter.
3. Die letzte Möglichkeit ist eine individuelle Schulung bei der pflegebedürftigen Person zuhause. Dabei kommt eine Pflegefachperson zu Ihnen und zeigt Ihnen eins zu eins das richtige Vorgehen. Besonders sinnvoll ist dies bei komplexen Pflegesituationen, die mehr Aufmerksamkeit erfordern.
Des weiteren bieten Pflegekassen Spezialkurse an, die beispielsweise auf bestimmte Erkrankungen abgezielt sind. Wenn eine pflegebedürftige Person an Demenz, Multipler Sklerose oder Parkinson leidet, stehen Pflegende schließlich vor anderen Herausforderungen als bei einer reinen Mobilitätseinschränkung.
Anbieter von Pflegekursen
Angeboten werden Pflegekurse von:
- Pflegekassen & Pflegestützpunkten
- Sozialstationen
- Pflegediensten
- Volkshochschulen
- Wohlfahrtsverbänden
In der Regel gehen die Pflegekurse mehrere Tage. Viele Angebote finden abends statt, damit auch Berufstätige die Chance bekommen teilzunehmen.
Den richtigen Pflegekurs finden
Abhängig von Ihrer persönlichen Präferenz können Sie über verschiedene Wege Pflegekurse finden.
- 1. Der klassische Weg ist die Kontaktaufnahme zu Ihrer Pflegekasse. Dort werden Sie über geeignete Anbieter und Kurse in der Nähe informiert, die von der Pflegekasse bezuschusst werden können.
2. Auch viele Pflegedienste bieten mittlerweile eigene Pflegekurse und Schulungen an. Falls Sie bereits einen ambulanten Pflegedienst nutzen oder in Ihrer Umgebung einer ansässig ist, können Sie dort ebenfalls einen Pflegekurs anfragen.
3. Um Unterstützung bei der Suche zu erhalten und den richtigen Kurs für Ihre individuellen Anforderungen zu finden, können Sie sich auch an Ihren regionalen Pflegestützpunkt wenden. Diese bieten kostenlose Beratungen an.
4. Möchten Sie unabhängig anderer Personen suchen, können Sie online einen sehr guten Eindruck über das Angebot erhalten. Viele Pflegekassen bieten mittlerweile sogar eine Online Buchung und Online Kurse an.
Wichtig ist bei allen Vorgehensweisen:
Achten Sie darauf, dass der Pflegekurs nach Paragraf 45 SGB XI durch die Pflegeversicherung abgedeckt wird. Manche Organisationen, wie Schulungszentren oder private Bildungseinrichtungen bieten nämlich auch Pflegekurse an, die nicht von der Pflegekasse abgedeckt sind und selbst bezahlt werden müssen.
Fazit
Pflegekurse sind eine wichtige Unterstützung für alle, die zuhause pflegen. Sie vermitteln nicht nur Wissen und praktische Fähigkeiten, sondern geben auch Sicherheit, Orientierung und das Gefühl, mit der Pflegesituation nicht allein zu sein.
Wer frühzeitig einen Pflegekurs besucht, kann den Pflegealltag besser organisieren, Überlastung vermeiden und die Lebensqualität für alle Beteiligten verbessern.
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